Verfasst von: milchpilzkapstadt | August 4, 2010

Man spricht Deutsch – ein Bericht aus Namibia

Wie ein Blick auf die Afrikakarte zeigt, haben wir nicht mehr allzu viel Strecke vor uns – und deshalb duerfte dies einer der letzten Berichte werden. Wir sind inzwischen in Namibia angekommen und haben die letzten Wochen mit Hippos, Elefanten und Touristen (oft schwer zu unterscheiden) verbracht. Hier also ein paar Eindruecke aus der Etappe Lusaka – Botswana – Namibia.

Mit steigenden Hotelpreisen und zunehmend nobleren Campingplaetzen hat sich unsere Reise zu einem veritablen Campingurlaub gewandelt. Dank des zweiten Zelts, das wir uns in Sambia geleistet haben, koennen wir jetzt trotz der naechtlichen Kaelte gemuetlich hausen, ganz ohne Schnarchen oder unerwuenschte Winde des geliebten Bruders. Mit reichlich Zeit gegen Ende unserer Reise verbringen wir zunehmend ruhigere Tage und beenden diese mit Selbstgekochtem am Lagerfeuer.

Campingidylle

Unsere Strecke fuehrte uns vorbei an den Victoria Falls, wo der Zambesi Fluss zwischen Simbabwe und Sambia auf 2km Breite ueber 100m in die Tiefe stuerzt. Ein beeindruckendes und sehr nasses Spektakel, das wir gerne mitgenommen haben (die Regenkombi haben wir sicherheitshalber in den Koffern gelassen…).

Die Regenkombi liegt gut verschlossen im Koffer...

Nachdem wir dann per Faehre nach Botswana uebergesetzt hatten, ging es weiter zum weltgroessten Binnendelta – dem Okavango Delta. Wie daheim herrschte auch dort gerade Rekordwasserstand und wir konnten uns bei einem kurzen Rundflug von den unendlichen Ausmassen dieser Flusslandschaft ueberzeugen. Die Mindestflughoehe wurde dabei nicht immer eingehalten und so schossen wir vorbei an Elefanten und Giraffen, waehrend hinter uns so mancher Passagier sein Fruehstueck wieder loswurde.

Zurueck in Maun auf unserem Campingplatz mit heissem Wasser, Swimmingpool und Salatbuffet stellte sich erstmals das Gefuehl ein, dass wir Afrika bereits verlassen hatten. Natuerlich genossen wir den Komfort in vollen Zuegen, so manche Begegnung weckte dann aber schnell die Sehnsucht nach ruhigeren Gebieten und etwas mehr Action. Spaetestens als uns ein 190kg-Bayer mit Fischerhut und Safariweste erklaerte, wo er schon ueberall “higfohrn is” und dass die anderen 30 Pensionisten in seinem Reisebus ihn “ned verschtengan und a ned meegn”, beschlossen wir unsere Sachen zu packen und weiter zu fahren.

Noch etwas gezeichnet von einer fluessigen Nacht mit deutschen und schweizer Reisebegeisterten fuhren wir also weiter nach Norden und campten an einer idyllischen Shell-Tankstelle, wo wir endlich auch Kontakt zu Botswanern hatten, die uns die Erfolgsgeschichte Botswana besser verstehen liessen. Nach dem Zaehneputzen wollte ich noch die letzten Moskitos aus meinem Nacken verscheuchen und war ueberrascht, wie hartnaeckig diese doch sind. Dann kribbelte was hinterm Ohr, und nach einem kurzen Kopfschuetteln faellt ein Skorpion vor mir zu Boden. Der erste, den wir auf unserer Reise “zu Gesicht” bekommen, und zum Glueck ohne schmerzhafte Folgen.
Hinterm Ohr hervorgezauberter Skorpion

Hinterm Ohr hervorgezauberter Skorpion

Das naechste Herzklopfen wartete dann bereits 100km weiter, nachdem wir spontan zu einem Camp direkt im Delta fuhren. Seit langem galt es dabei wieder tiefste Sandpiste zu bewaeltigen, nur unterbrochen von ausgedenhnten Wasserpassagen. Scheinbar haben wir seit der White Desert in Aegypten – was Sandfahren angeht – nicht viel gelernt und so kamen auf 30km zwoelf Umfaller und zweimal Steckenbleiben im huefthohen Wasser. Dennoch war’s insgesamt natuerlich ein riesen Spass – und das naechtliche Konzert von Hippos und Froeschen unterm Sternenhimmel entschaedigte fuer die strapazioese Anreise.

Aquaplaning im Delta

Aquaplaning im Delta

Nach so viel Abenteuer erwartete uns in Namibia erstmal eine laaaaaangweilige Strecke (jedes “a” steht fuer 100km geradeaus und flach…). In den ersten beiden Tagen sahen wir in diesem riesigen Land weniger Leute als in einem durchschnittlichen aethiopischen Minibus. Der gesamte restliche Verkehr besteht aus gut ausgeruesteten europaeischen Camperfamilien in schicken 4x4s mit Zelt auf dem Dach und Kueche im Kofferraum. Der europaeische Einfluss hier wirkte auf uns eher befremdend. Alles wirkt sehr geordnet, statt rauchenden, lauten Trucks und Vieh treffen wir auf den Strassen in diesem Teil Afrikas auf Fahrradhelmpflicht, schmucke Alleen und Hupverbot. Der Weg durch den Souvenirshop in unserem Hotel – vorbei an der Kueche, aus der Apfelkuchenduft dringt – fuehrt in einen Biergarten. Der Laden gegenueber, neben der “Schlachterei”, verkauft “Lieder zum froehlich sein” von den Hoffmann Geschwistern. Und wie bisher ueberall in Namibia gehoeren die Hotels den Weissen, im Service sind ausschliesslich Schwarze. Wer das andere Afrika vermisst, kann Tours in “traditionelle Doerfer” buchen (“do the bushman’s walk and see San people in traditional dresses”). Wir lehnen dankend ab und wuenschen uns zurueck nach Loglogo in Nordkenia…

Von der Huette in die Stube: Das traditionelle Afrika ist scheinbar nur noch auf Bildern an der Wand zu finden.

Von der Huette in die gute Stube: Das traditionelle Afrika ist scheinbar nur noch auf Bildern an der Wand zu finden.

Naja, auch das ist Afrika. Wir sind gespannt was hier noch auf uns zukommt und freuen uns auf die landschaftlich wohl spektakulaere Kuestenregion. Und dann natuerlich auf eine traumhafte letzte Etappe in Suedafrika.

Besonders freuen wir uns schon auf ein Wiedersehen daheim, wo wir am Fr., den 3. September in der alten Faehre in Lochau erste Fotos zeigen werden (Termin schonmal vormerken, mehr dazu in Kuerze). Bis dahin euch allen eine schoene Zeit und liebe Gruesse aus Namibia!

Elias und Clemens


Antworten

  1. Juhu!! Termin ist schon vorgemerkt!
    Machnds no guat – wir freuen uns auf Euch!
    Ka und Co

  2. Hallo Jungs!

    Wieder mal ein überaus interessanter Bericht! Ich hab zwar in letzter Zeit nicht mehr so fleißig im Gästebuch kommentiert, aber natürlich hab ich eure abenteuerliche Reise und die spannenden Geschichten ständig verfolgt.

    Genießt noch die verbleibenden Tage/Wochen und natürlich alles Gute und viel Spaß für die letzte Etappe!

    Lg aus Wien
    Babsi

    PS: Ich freu mich schon sehr auf die Dia-Party! Hab schon Urlaub genommen und bin somit von Anfang an dabei :)

  3. 3. September ist vorgemerkt! Hoffentlich muss ich nicht ewig arbeiten , will auf jeden Fall dabei sein!!!
    Viel Spass und genauso viele Schutzengel wie ihr schon seit Beginn eurer Reise im Gepäck habt auch für eure letzte Etappe durch Südafrika!!!
    Wir freuen uns schon auf euch!
    Bi, Chri und Kon

  4. ……….könnt ihr euch vorstellen, dass ich mich vielleicht fast noch mehr auf euer “nachhausekommen” freue?
    passt auch auf der letzten Strecke noch gut auf euch auf.
    nochmals ein paar Schutzengel – und bis bald -
    tausend Küsse
    Ma

  5. Hi ihr Abenteurer. Hab eure blogs jeweils mit grossem Interesse verfolgt. Fast schade wenn wir nichts mehr von euren Abenteuern lesen können. Nun freue ich mich riesig auf den Bilderabend, der sicherlich wieder grosses Fernweh in mir erweckt.
    Guten Endspurt und bis bald,…euer täntchen moni

  6. Hallo Ihr Beiden!
    Danke für die tollen Berichte! Wir freuen uns auch schon sehr auf das Wiedersehen in der alten Fähre.
    Macht´s noch gut, Josef, Eri und Klaus

  7. Wie ich euerem Bericht entnehme war das Bad im Okavango ein Einzelfall. Schade weil das Wasser war doch eigentlich gut temperiert.
    Grüße vom Mitschieber


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