Verfasst von: cle1860 | Juni 22, 2010

Sudan und Aethiopien, 2 sehr unterschiedliche Laender

Hallo,

so, wir haben 2 sehr intensive Wochen im Sudan und Aethiopien verbracht und es ist wieder mal Zeit, euch daran teilhaben zu lassen.

Endlich!!!

Nach der zehntaegigen Zwangspause in Aswan waren wir wieder so richtig heiss aufs Motorradfahren. Wir hatten im Vorfeld viele Horrorgeschichten ueber die Strassen im Sudan gelesen, umso ueberraschter waren wir, als wir auf perfektem Asphalt durch die Steinwueste brettern konnten. Da es aber ausser viel Wueste und 1, 2 Pyramiden (auch hier gilt: seen one, seen all) nicht viel zu sehen gibt und die Hitze auf unertraegliche 50 Grad anstieg, fuhren wir auf schnellstem Weg nach Khartum (730 km an einem Tag, neuer Rekord!).

Vor den sudanesischen Pyramiden

Die Stadt bietet eher wenig und unser Eindruck vom Sudan wurde zusehens getruebt, da es einfach zu heiss war und uns die Wueste schoen langsam zum Hals raus hing (ausserdem habe ich mir bei einer Freiluftuebernachtung in Wadi Halfa eine Erkaeltung zugezogen, 39 Grad Fieber machen unterm Helm noch weniger Spass…) Zum Glueck bot sich aber noch die Moeglichkeit, die waren Schaetze des Sudan, naemlich die freundlichen und herzlichen Menschen, kennenzulernen. So verbrachten wir unsere letzte Nacht bei nubischen Bauern in ihren Strohhuetten. Die 3  Bauern waren hellauf begeistert von unserem Zelt, unsere Camping-Spaghetti konnten sie aber nicht wirklich ueberzeugen (ihre Brotpaste mit Fischmaegen uns aber auch nicht…)

Froh um diese tolle Erfahrung fuhren wir am naechsten Tag nach Aethiopien und tauchten schlagartig in eine andere Welt ein: Wueste und Einoede im Sudan wurden von gruenen Bergen, satten Wiesen, KURVIGEN Strassen und angenehmen Temperaturen abgeloest. Die Strassen waren (vorerst) auch auf aethiopischer Seite in einem guten Zustand und ueberhaeuft von winkenden Kindern, Kuehen, Ziegen, wilden Affen und Fuhrwerken. So wurde die Fahrt zum Hindernislauf und wir fuehlten uns wie bei einem endlosen Almabtrieb;-)

Typischer Gegenverkehr in Aethiopien

Voller Euphorie ueber das fast schon vergessene Fahrgefuehl machten wir uns am naechsten Tag auf den Weg Richtung Norden, wo wir neben der atemberaubenden Landschaft auch die negativen Seiten des Landes kennenlernen durften. Aus den winkenden wurden schreiende (YOU! MONEY!) und Steine-werfende Kinder (so ein Volltreffer auf den Helm versetzt einem doch einen ziemlichen Schock!) und aus den perfekten Passstrassen wurden endlose, steinige und schlammige Offroad-Pisten, die uns und unseren Motorraedern einiges abverlangten. Zusaetzlich waren wir beide gezeichnet vom aethiopischen Essen, Durchfall und Magenkraempfe beschehrten uns verdauungstechnische Grenzerfahrungen…  Immerhin hielten unsere Reifen (Enduro-Schlaeuche vulgo Elefantenhaut sei Dank!) und auch die Bikes ueberlebten den ein oder anderen Sturz relativ unbeschadet (neuer Umfaller-Zwischenstand: Eli 9, Cle 7), was bei dem Strassenzustand fast an ein Wunder grenzte.

Fix und fertig, dreckig und staubig erreichten wir die nordaethiopische Stadt Axum, wo wir uns einen Tag Rast goennten um Elis Koffer schweissen zu lassen, der aufgrund der starken Vibrationen waehrend der Fahrt einfach abgefallen ist…

Ungesunder Taint - dreckrot

Elis Koffer wird repariert

Endlich kam neben dem leiblichen Wohlbefinden auch die Freude ueber die Schoenheiten des Landes zurueck und da auch die Strassen wieder merklich besser wurden (chinesische Baufirmen scheinen ganz Afrika im Rekordtempo zu asphaltieren), konnten wir traumhafte Passstrassen bei Null Verkehr geniessen. Damit uns nicht langweilig wurde, wurden aber auch hier immer wieder kurze Sand- und Schotterpruefungen eingestreut, was aber mit zunehmender Routine und abnehmenden Magenproblemen immer spassiger wurde!

Traumhafte Landschaft

Nach laut GPS 9000 Hoehenmetern auf 1000 km Fahrtstrecke durch die Berge (hoechster Punkt 3400m) erreichten wir Lalibella, die Stadt mit eindrucksvoll in die Felsen geschlagenen Kirchen. Die Besichtigung der 11 Kirchen war spektakulaer, fuer Eli aber nichts neues und da die “seen one, seen all” Regel auch fuer Kirchen gilt, fuhren wir bereits am naechsten Tag weiter Richtung Addis Ababa. Auf dem Weg dorthin mussten wir noch in der wohl schmutzigsten (Smog!) und ekligsten Stadt der Welt eine Uebernachtung einschieben, da natuerlich wiedermal Stromausfall war und wir keinen Benzin mehr bekamen.  Immerhin putzten 2 Kinder unsere Bikes mit 5 Liter Wasser um 60 Cent, waehrend wir in der Dunkelheit wieder mal die sichere Variante Spaghetti dem einheimischen Essen vorzogen.

Eli beim "Betreten" eines Klosters, das nur ueber ein Seil zu erklettern ist...

1 der 11 Kirchen von Lalibella

Jetzt sind wir in Addis Ababa angekommen und geniessen einen motorradfreien Tag. Morgen werden wir das Sozialprojekt PROCS besuchen und dort von den Spendenerfolgen berichtigen.

Insgesamt habt IHR 7,500 Eur gespendet, wir sind begeistert! Vielen herzlichen Dank dafuer!


Antworten

  1. sehr coole kloster “betretung” …

  2. Freut mich, dass es euch wieder besser geht. Eure Geschichten sind wirklich faszinierend und schon Opa – Enkel tauglich. Ihr werdet mal großartige Geschichtenerzähler ;)

    Wirklich einzigartig, was ihr da erlebt! Viel Glück bei der Weiterreise!

  3. hei ihr beiden!bin immer wieder aufs neue fasziniert von euren tollen Berichten und den Bildern, wenn ich mir das so in meinem gefühlten 40 grad heissem Büro, indem ich 12 Stunden verbringe so durchlese, kommt doch echt etwas Neid auf…also bei long way round nehmt ihr mich dann mit, gelle :) )!!!glg Olli und weiterhin viel erfolg bei eurem Abenteuer!

    PS: ELIIIIIIIIIIIIIIIII, habs natürlich wie jedes Jahr vergessen, nur dieses mal besonders spät die Erkenntnis – HAPPY BIRTHDAY!!!!!!!!!!!!!!!!!wenn wieder da bist, wirds dann noch mit dem ein oder anderen Bierchen begossen, ok!freu mich schon!

  4. Jambo jambo,
    bin die Strecke mit local transport gefahren und
    habe jetzt vor, gleiches mit meinem VW-Bus zu
    machen.
    Ich waere sehr dankbar, folgende Antworten zu
    bekommen:
    1) Habt ihr auf eurer Tour jemanden mit Fahrzeug
    getroffen, der anstelle ueber Aegypten die Route
    Port Sudan – Jeddah gewaehlt hat und wo hat er
    die entsprechenden Saudi-Visas fuer einen Transit nach Jordanien bekommen?
    2) Ist die Strasse Khartoum-Wadi Halfa total
    geteert?
    3) Gibt es eine Moeglichkeit, das Fahrzeug in
    Aethiopien oder Aegypten fuer mehrere Monate
    zu “parken”, d.h. irgendwo ohne zolltechnische
    Probleme unterzustellen, um danach die Weiter-
    reise zu machen?
    Wenn ja, habt ihr da irgendeine Adresse?
    Ich waere euch fuer eine prompte Rueckantwort
    sehr dankbar.
    Rudy Holst aus Namibia

    • haberi jako!
      zu deinen fragen:
      1.) nein, ein englaender hat versucht, mit seiner freundin von jordanien einzureisen, aber ohne erfolg. (man bekommt mit weiblicher begleitung nur ein visum, wenn man verheiratet ist.)
      2.) ja, bester asphalt (ueber dongola), null verkehr, aber verdammt heiss
      3.) keine ahnung


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