So,
da wir jetzt ja genug Zeit haben (das Nubische Museum in Aswan ist zwar nett, sonst gibts hier aber nicht soo viel zu sehen… und bei 45 Grad macht das Flanieren auch wenig Spass…), wollen wir euch an den buerokratischen Huerden und den unverstaendlichen Formalitaeten teilhaben lassen, damit ihr mal seht, wie einfach und unbuerokratisch Europa mittlerweile funktioniert:
Also, die Faehre zwischen den beiden Nachbarlaendern faehrt 1mal pro Woche, die Ueberfahrt dauert ca. 20h.
1. Schritt: 2 Wochen vor Reisetermin finden wir in Internet-Reiseforen die Telefonnr. des „Fixers“ Mahmud in Aswan, der englisch spricht und die Tickets fuer die Faehre im Vorhinein gegen Trinkgeld besorgen kann. Er wird angerufen und verspricht die Tickets.
2. Wir senden ihm unsere Passkopien 1 Woche vor der geplanten Ueberfahrt.
3. Wir treffen Mahmud am Fr. vor der Ueberfahrt, er hat die Tickets „sicher“.
4. Wir gehen am Sa. zum offiziellen Ticket-Office und warten auf Mister Sala, den Einzigen in der „Nile Transportation Company“, der Tickets verkauft. Ihm hat Mahmud auch die Passkopien geschickt. Wir bekommen die Tickets NICHT („ferry is full“), das beste, was uns der Herr anbieten kann, ist ein Wartelistenplatz fuer naechste Woche . Natuerlich koennen wir die Tickets fuer naechste Woche nicht direkt kaufen, „come back on Tuesday, 8 a.m.“
5. Am Dienstag stehen wir zusammen mit 200 schlechtgelaunten Enheimischen vor dem Ticket-Office, es wird geschrien, gestikuliert und geschlaegert, Tickets scheint aber niemand zu bekommen. Wir warten bis 14 Uhr und werden von einem ob des Chaos den Traenen nahen Mister Sala auf Donnerstag vertroestet.
6. Wir nutzen die Zeit und erledigen Formalitaeten. Wir muessen „bestaetigen“ lassen, dass wir in Aegypten in keinen Unfall verwickelt waren. Dies geschieht in „irgendeinem Haus im zweiten Stock hinter einem Zeitungsverkaeufer“ (Anfahrtsweg wieder ueber Internet). Wir zahlen 20 Cent, bekommen einen Zettel und fahren damit zur traffic police.
7. Angekommen bei der traffic police geben wir unsere aegyptischen Nummerntafeln ab und warten wieder auf irgendeinen Zettel, waehrend unsere Motorradstaender aufgrund der unglaublichen Hitze im weichen Asphalt einsinken!
8. Ausgeruestet mit den Papieren gehen wir am Donnerstag zum Ticket Office und bekommen tatsaechlich unsere Tickets!!! Aber natuerlich nur unsere, nicht die fuer unsere Motorraeder. Die werden auf einem separaten Transport-Kutter transportiert. Die Tickets dafuer bekommen wir am Samstag…
9. Am Samstag sind wir puenktlich beim Ticket-Office, wo uns ein gut gelaunter Mister Sala – wie koennte es anders sein – auf Sonntag vertroestet… dann aber natuerlich „garantiert!“ Immerhin nutzen wir unsere Ortskenntnisse von Punkt 6 und 7, um 2 netten Schweizern, die ebenfalls in den Sudan wollen (und die uns mit den Worten: „Sind ihr mim Toeff do“ begruesst haben:-)), den Behoerdengang zu erleichtern. Wir sind somit nach 8 Tagen Aswan selbst zum „local fixer“ geworden;-)
10. Nachtrag zu Punkt 9: Wir werden am Samstag Mittag aus dem Hotelzimmer gelaeutet, vor der Tuer steht ein Mitarbeiter von Mister Sala zusammen mit dem einem der beiden Schweizer: Sie klappern alle Hotels ab (der Schweizer fungiert als Chauffeur, hat ja sonst auch wenig zu tun in Aswan), weil sie nun doch noch eine Passkopie von uns brauchen! (warum sie nicht die 2 Kopien, die sie schon haben, einfach nochmals kopieren???)
11. Am Sonntag fahren wir zum Hafen und nach 4h Buerokratie (Stempel hier, Gepaeckkontrolle da) laden wir die Bikes auf den Transport-Kutter, der schon mit 7 Touristen-Jeeps gefuellt ist. Der (einaeugige) Kaept’n verspricht uns nach der obligatorischen Frage nach Bagshish, dass er gleich ablegen wird und spaetestens am Dienstag Mittag (also noch vor uns!) im Sudan eintrifft.
12. Am Montag machen wir uns auf zur Faehre. Die Zollformalitaeten sind rasch erledigt und das bizarre Schauspiel auf der Faehre kann beginnen. Hunderte Leute versuchen, ueber den einen Zugang Fernseher, Tomaten, Tische, Stuehle, etc. an Deck zu ‘schmuggeln’. Dabei stellen sie sich recht geschickt an, werfen die Waren einfach an der Seite an Bord oder lenken den Security-Mann ab, der sich nur mit Schlaegen und Geschrei wehren kann. Mit 4h Verspaetung legt die Faehre ab, wir schwitzen an Deck und sehen beim Auslaufen unseren Transport-Kutter, der natuerlich noch im Hafen liegt!! Die Nacht verbringen wir an Deck am Boden, ab und zu trampeln Leute im Dunkeln auf uns herum oder leeren ihren heissen Tee auf uns, ansonsten ists aber recht gemuetlich und der Sternenhimmel atemberaubend.
13. An Bord koennen wir die Zollformalitaeten erledigen, da unsere Namen nicht auf irgendeiner Liste stehen, muessen wir 2h auf den Kaept’n warten, bis wir unsere Paesse zurueckbekommen. Den obligatorischen Ohren-Check durch den Zoellner koennen wir umgehen. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes kann die Faehre nicht sofort in Wadi Halfa anlegen, sondern muss an einen Ersatzsteg, was uns nochmals gut 4h kostet. Nach 30h legen wir endlich an, und wieder spielen sich chaotische Szenen ab.
14. Wir habens geschafft und betreten am Dienstag um 18.00 Uhr sudanesischen Boden! Unsere Motorraeder sind natuerlich noch nicht da, aber sie kommen morgen, garantiert….