Verfasst von: milchpilzkapstadt | September 20, 2010

Abschluss

Nachdem wir uns inzwischen nicht nur gut erholt, sondern auch wieder einigermaßen eingelebt haben, ist es an der Zeit, den Blog endgültig abzuschliessen. Wir haben uns sehr über Eure vielfältige Unterstützung vor, während und nach der Reise gefreut. Vielen Dank Euch allen für die großzügigen Spenden und Euer Interesse!

Wie man sieht, ist es also durchaus möglich, ohne gröbere Probleme und ohne negative kriminelle Erfahrungen auf eigene Faust mit dem Motorrad von Österreich durch den Nahen Osten und 12 afrikanische Länder zu reisen.

Das verdanken wir neben einer gehörigen Portion Glück und ausgiebiger Vorbereitung vor allem den Menschen, die wir unterwegs getroffen haben. Immer wieder waren wir überwältigt, wie herzlich und gastfreundlich wir als Fremde aufgenommen wurden. In all den Ländern, die von zu Hause aus so bedrohlich gewirkt hatten, sahen wir statt Elend und Kriminalität Freundlichkeit und beeindruckende Kulturen. Um diese wirklich zu verstehen, müssten wir wohl deutlich mehr als vier Monate aufwenden. Aber schon nach diesem kurzen Einblick können wir viel von der Gastfreundschaft, den gelebten Werten und der positiven Lebenseinstellung lernen, die uns so oft begegnete.

Am Ende sind wir einfach dankbar für diese tolle Zeit und hoffen, mit unseren Berichten das Bild mancher Länder um ein paar positive Eindrücke erweitert zu haben. Es würde uns freuen, wenn auch in Österreich Fremden ähnlich freundlich und herzlich begegnet würde. Weiters hoffen wir, dass wir auch in Euch die Reise- und Entdeckungslust geweckt haben und der Ein oder Andere selbst loszieht und sich ein Bild macht.

In diesem Sinne alles Liebe und bis zum nächsten Mal;-)

Denn viel zu spät begreifen viele
die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist´s: Reise, reise!
Wilhelm Busch (1832-1908)

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PS: Für praktische Tipps oder Rückfragen stehen wir gerne weiterhin per E-Mail zur Verfügung. sagmeister_elias@hotmail.com und csagmeister@hotmail.com .

PPS: Übrigens hätten wir zwei kaum gebrauchte Yamaha 660 Ténéré zu verkaufen, garagengepflegt, nur bei Schönwetter und auf besten Straßen gefahren, keine Umfaller/Kratzer, kaum Blut- und Schweißspuren;-)

Verfasst von: milchpilzkapstadt | August 27, 2010

Fotos und Eindruecke

Liebe Freunde, fleissige Blogleser und Unterstuetzer (und -Innen),

wie bereits angekuendigt, wuerden wir gerne am Fr., den 3. September erste Fotos von unserer Reise zeigen und euch unsere Eindruecke schildern. Da unser Abenteuer irgendwie auch auf der Alten Faehre in Lochau begonnen hat, moechten wir auch zum Abschluss wieder dort feiern.

Wir freuen uns auf euch!

PS: Die Sperrstunde ist fuer 00.30 Uhr vereinbart, wir schlagen daher vor, dass wir danach gemeinsam zum  Freakwave-Fest im Festspielhaus aufbrechen.

PPS: Kritik angekommen;-))

Verfasst von: milchpilzkapstadt | August 21, 2010

Angekommen!

So, wir sind am Ziel: Nach 111 ereignisreichen Tagen und 26453 km sind wir in Kapstadt angekommen.

Die letzten 2 Wochen waren noch recht aufregend und aufgrund der einen oder anderen Panne sind wir nun auch froh, dass wir es heil nach Kapstadt geschafft haben. Jetzt sitzen wir bei Dauerregen leicht angeschlagen (aufgrund der dreitägigen Ankunftsfeierlichkeiten) in Stellenbosch und versuchen, die Erlebnisse der letzten 2 Wochen, die sich schon wieder sehr weit weg anfühlen, zu beschreiben. Da sich der Schreibfluss heute auch nach dem dritten Anlauf nicht wirklich einstellen will, bekommt ihr die abschließenden Erlebnisse unserer Reise auszugsweise aus meinem Reisetagebuch präsentiert:

Mittwoch, 4. August:

Auweh, wir sind in Deutschland angekommen: Es schaut aus wie bei Muttern in den 70ern, deutsche Schilder, deutsche Menschen, deutsche Preise. Immerhin auch deutsches Bier, das hilft. (…)

Donnerstag, 5. August

Wir entfliehen Deutschland und sehen endlich das andere Namibia: Schotterpiste, endlose Wüsten, Berge, Antilopen. Wir campen am verlassensten Campingplatz der Welt am Fuße des Brandbergs und bis auf den ekligen Campingfraß (endlich die letzte Packung davon runtergewuergt) passt alles. Wir sind froh, dass wir Namibia mit der voreiligen Beschreibung als „Disneyland-Afrika“ doch unrecht getan haben.

Jedes Tier bekommt sein eigenes Warnschild

Freitag, 6. August

Von wegen Disneyland. Die Wüste wird heißer, steiniger und spektakulaerer. (…) Eli hat den ersten Platten der Reise, der Traum vom plattenfreien Trip durch Afrika ist im wahrsten Sinne des Wortes geplatzt. Dank Reifenspray ist die Sache aber halb so wild und es geht zur Atlantikküste, wo’s erst angenehm kühl, dann frisch und schließlich arschkalt wird! Eine Nebelwand vor uns kündigt das Meer an, die Landschaft wird surreal, dunkel und flach, weiss vor Salz – es scheint, als wären wir aus der Matrix herausgefahren. In Swakopmund (laut Lonely Planet ist die Stadt ‚more German than Germany’) finden wir einen – no na – deutschen Mechaniker, der bei der Gelegenheit auch gleich Elis Kette austauscht.

Sonntag, 8. August

Was sind wir doch für wilde Abenteurer: Samstagabend, wir gehen ins Kino, trinken einen Chai-Latte und schauen uns eine Teenie-Komoedie an. (…)

Montag, 9. August

Wir stellen fest: Namibia ist zu groß! Endlose Pisten, keine Dörfer, keine Menschen, viel Wüste. (…)

Kurze Schrecksekunde auf der Fahrt zu den beeindruckenden Sanddünen: Eine Antilope taucht bei voller Fahrt plötzlich 1 Meter neben meinem Motorrad auf, bevor ich aber reagieren kann, stürzt sie und rennt ca. 1 km vor mir auf der Strasse her. (…)

Kollision gerade noch verhindert...

Die groessten Sandduenen der Welt

Mittwoch, 11. August

Wir fahren zum Fishriver Canyon, dem zweitgroessten Canyon der Welt, der unsere Erwartungen übertrifft. Auch das Heizen auf der Piste bei viel Rückenwind macht Spaß, der kurze Ausflug auf einen Berg am Straßenrand wird wenig erfolgreich (ich bleib nach 10 Metern im Geröll stecken, Eli schmeißt beim Versuch, mich zu befreien, sein Bike zum 29sten und letzten? Mal um.)

Klettern am Fishriver Canyon;-)

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Donnerstag, 12. August

SUEDAFRIKA! Schon die ersten 5 km bieten mehr Kurven und Fahrspaß als ganz Sambia, Botswana und Namibia zusammen. Zur Feier des Tages gibt’s ein nettes Hotelzimmer (billiger ist als eine durchschnittliche Campingübernachtung in Namibia), zwei Flaschen südafrikanischen Rotwein und T-Bone-Steaks vom Grill – ausgezeichnet!

Geschafft!

Freitag, 13. August

Wir fahren ans Meer nach Elands Bay, wo wir den Nachmittag gemütlich am Meer verbringen, wo spektakuläre Wellen brechen und abwechselnd Wale und Robben vorbeischwimmen. Wir zelten direkt am Meer und grillen fangfrische Langusten, die wir um 2 Euro pro Stück erstehen.

So frisch kann Seafood sein!

Samstag, 14. August

Endlich kann ich’s wieder mal schreiben: TRAUMSTRECKE! Weinberge, rot schimmernde Felsen, Flüsse, gelbe und violette Blumenmeere, dazu idyllisches Mittagessen auf einer kleinen Farm.

Dienstag, 17. August

Wir starten um 7.00 Uhr und es geht über den nicht sehr hohen aber wunderschönen Prince Alfred’s Pass auf gutem Schotter Richtung Meer. Auf halber Strecke sticht uns ein Schild am Straßenrand ins Auge: ‚Bikers welcome’. Der zottelbärtige Besitzer der dazugehörigen Lodge mit dem viel versprechenden Name ‚Angies G-Spot’ und seine kettenrauchende white-trash Frau laden zum kurzen Fruehstueckstopp ein. (…) Aus dem Fruehstuecksstopp wird ein gemuetlicher Tag in den Bergen mit Vormittagsspaziergang am Fluss, gemütlichem Nachmittags-Chillen in bizarrer Gesellschaft des Hausschweins ‚Tequila’, das sich für einen Hund hält und Gefallen an unseren Füssen findet…

Donnerstag, 19. August

Der letzte Reisetag bietet nochmals viele Highlights und quasi unseren ganzen Trip ‚in a nutshell’: wir starten bei Regen und Eiseskälte, fahren auf nassen und rutschigen Schlammpisten zu traumhaften, asphaltierten Küstenstrassen, zum Mittag gibt’s feines Seafood mit Aussicht auf riesige Wale in der Bucht in Hermanus. Wir erreichen nach einer Flussüberquerung auf einem einfachen Floss das Cape Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas und werden 2 h später von Martin und Mimi in Stellenbosch bei Kapstadt empfangen. Wir genießen südafrikanisches Bier an der Sonne und realisieren: Wir sind da!

Cape Agulhas - suedlicher geht's nicht mehr!

Verfasst von: milchpilzkapstadt | August 4, 2010

Man spricht Deutsch – ein Bericht aus Namibia

Wie ein Blick auf die Afrikakarte zeigt, haben wir nicht mehr allzu viel Strecke vor uns – und deshalb duerfte dies einer der letzten Berichte werden. Wir sind inzwischen in Namibia angekommen und haben die letzten Wochen mit Hippos, Elefanten und Touristen (oft schwer zu unterscheiden) verbracht. Hier also ein paar Eindruecke aus der Etappe Lusaka – Botswana – Namibia.

Mit steigenden Hotelpreisen und zunehmend nobleren Campingplaetzen hat sich unsere Reise zu einem veritablen Campingurlaub gewandelt. Dank des zweiten Zelts, das wir uns in Sambia geleistet haben, koennen wir jetzt trotz der naechtlichen Kaelte gemuetlich hausen, ganz ohne Schnarchen oder unerwuenschte Winde des geliebten Bruders. Mit reichlich Zeit gegen Ende unserer Reise verbringen wir zunehmend ruhigere Tage und beenden diese mit Selbstgekochtem am Lagerfeuer.

Campingidylle

Unsere Strecke fuehrte uns vorbei an den Victoria Falls, wo der Zambesi Fluss zwischen Simbabwe und Sambia auf 2km Breite ueber 100m in die Tiefe stuerzt. Ein beeindruckendes und sehr nasses Spektakel, das wir gerne mitgenommen haben (die Regenkombi haben wir sicherheitshalber in den Koffern gelassen…).

Die Regenkombi liegt gut verschlossen im Koffer...

Nachdem wir dann per Faehre nach Botswana uebergesetzt hatten, ging es weiter zum weltgroessten Binnendelta – dem Okavango Delta. Wie daheim herrschte auch dort gerade Rekordwasserstand und wir konnten uns bei einem kurzen Rundflug von den unendlichen Ausmassen dieser Flusslandschaft ueberzeugen. Die Mindestflughoehe wurde dabei nicht immer eingehalten und so schossen wir vorbei an Elefanten und Giraffen, waehrend hinter uns so mancher Passagier sein Fruehstueck wieder loswurde.

Zurueck in Maun auf unserem Campingplatz mit heissem Wasser, Swimmingpool und Salatbuffet stellte sich erstmals das Gefuehl ein, dass wir Afrika bereits verlassen hatten. Natuerlich genossen wir den Komfort in vollen Zuegen, so manche Begegnung weckte dann aber schnell die Sehnsucht nach ruhigeren Gebieten und etwas mehr Action. Spaetestens als uns ein 190kg-Bayer mit Fischerhut und Safariweste erklaerte, wo er schon ueberall „higfohrn is“ und dass die anderen 30 Pensionisten in seinem Reisebus ihn „ned verschtengan und a ned meegn“, beschlossen wir unsere Sachen zu packen und weiter zu fahren.

Noch etwas gezeichnet von einer fluessigen Nacht mit deutschen und schweizer Reisebegeisterten fuhren wir also weiter nach Norden und campten an einer idyllischen Shell-Tankstelle, wo wir endlich auch Kontakt zu Botswanern hatten, die uns die Erfolgsgeschichte Botswana besser verstehen liessen. Nach dem Zaehneputzen wollte ich noch die letzten Moskitos aus meinem Nacken verscheuchen und war ueberrascht, wie hartnaeckig diese doch sind. Dann kribbelte was hinterm Ohr, und nach einem kurzen Kopfschuetteln faellt ein Skorpion vor mir zu Boden. Der erste, den wir auf unserer Reise „zu Gesicht“ bekommen, und zum Glueck ohne schmerzhafte Folgen.
Hinterm Ohr hervorgezauberter Skorpion

Hinterm Ohr hervorgezauberter Skorpion

Das naechste Herzklopfen wartete dann bereits 100km weiter, nachdem wir spontan zu einem Camp direkt im Delta fuhren. Seit langem galt es dabei wieder tiefste Sandpiste zu bewaeltigen, nur unterbrochen von ausgedenhnten Wasserpassagen. Scheinbar haben wir seit der White Desert in Aegypten – was Sandfahren angeht – nicht viel gelernt und so kamen auf 30km zwoelf Umfaller und zweimal Steckenbleiben im huefthohen Wasser. Dennoch war’s insgesamt natuerlich ein riesen Spass – und das naechtliche Konzert von Hippos und Froeschen unterm Sternenhimmel entschaedigte fuer die strapazioese Anreise.

Aquaplaning im Delta

Aquaplaning im Delta

Nach so viel Abenteuer erwartete uns in Namibia erstmal eine laaaaaangweilige Strecke (jedes „a“ steht fuer 100km geradeaus und flach…). In den ersten beiden Tagen sahen wir in diesem riesigen Land weniger Leute als in einem durchschnittlichen aethiopischen Minibus. Der gesamte restliche Verkehr besteht aus gut ausgeruesteten europaeischen Camperfamilien in schicken 4x4s mit Zelt auf dem Dach und Kueche im Kofferraum. Der europaeische Einfluss hier wirkte auf uns eher befremdend. Alles wirkt sehr geordnet, statt rauchenden, lauten Trucks und Vieh treffen wir auf den Strassen in diesem Teil Afrikas auf Fahrradhelmpflicht, schmucke Alleen und Hupverbot. Der Weg durch den Souvenirshop in unserem Hotel – vorbei an der Kueche, aus der Apfelkuchenduft dringt – fuehrt in einen Biergarten. Der Laden gegenueber, neben der „Schlachterei“, verkauft „Lieder zum froehlich sein“ von den Hoffmann Geschwistern. Und wie bisher ueberall in Namibia gehoeren die Hotels den Weissen, im Service sind ausschliesslich Schwarze. Wer das andere Afrika vermisst, kann Tours in „traditionelle Doerfer“ buchen („do the bushman’s walk and see San people in traditional dresses“). Wir lehnen dankend ab und wuenschen uns zurueck nach Loglogo in Nordkenia…

Von der Huette in die Stube: Das traditionelle Afrika ist scheinbar nur noch auf Bildern an der Wand zu finden.

Von der Huette in die gute Stube: Das traditionelle Afrika ist scheinbar nur noch auf Bildern an der Wand zu finden.

Naja, auch das ist Afrika. Wir sind gespannt was hier noch auf uns zukommt und freuen uns auf die landschaftlich wohl spektakulaere Kuestenregion. Und dann natuerlich auf eine traumhafte letzte Etappe in Suedafrika.

Besonders freuen wir uns schon auf ein Wiedersehen daheim, wo wir am Fr., den 3. September in der alten Faehre in Lochau erste Fotos zeigen werden (Termin schonmal vormerken, mehr dazu in Kuerze). Bis dahin euch allen eine schoene Zeit und liebe Gruesse aus Namibia!

Elias und Clemens

Verfasst von: cle1860 | Juli 25, 2010

Tansania, Malawi und der Weg nach Sambia

Die Zeit vergeht wie im Flug und wir sind mittlerweile in Sambias Hauptstadt Lusaka angekommen.

An unseren letzten 2 Tagen in Ruanda haben wir uns mit dem allgegenwaertigen Genozid von 1994 beschaeftigt, bei dem 1 Mio Menschen in Hundert Tagen niedergemetzelt wurden. Das Museum in Kigali bietet einen wuerdevollen Ueberblick ueber die Geschehnisse. Wir besuchen eine Kirche, in der an einem Tag 5000 Maenner, Frauen und Kinder ermordet wurden. Es klebt noch das Blut von unzaehligen Babies an der Wand, gegen die sie geschleudert wurden. Wir sind sprach- und fassungslos. Dass die Welt und wir alle die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen, scheint unbegreiflich.

...

Tansania empfing uns nach einem unkomplizierten Grenzuebertritt recht karg, schmutzig und unspektakulaer. Dazu kam ein Schlagloch, das uns beide am fruehen Morgen aushebelte und aus dem Sattel, zum Glueck aber nicht vom Motorrad hievte. Wieder einmal hatten wir grosses Glueck, auch schon eine schoene Tradition auf unserer Reise.

So ein kleines Schlagloch kann man schon mal uebersehen...

Je weiter wir nach Osten und in Kuestennaehe vordrangen, umso schoener wurde das Land und besser das Essen.  Um die tropische Atmosphaere richtig geniessen zu koennen und Elias’ Freund Jankek zu besuchen, goennten wir uns 3 Tage Erholung auf Sansibar. Tuerkises Meer, weisser Sand, bunt-gekleidete Menschen und feinstes Seafood versuessten uns den Aufenthalt. Die Insel hat ein eigenes, sehr arabisch-gepraegtes Flair und erinnerte uns an all die schoenen Laender des Nahen Ostens.

Traumhafte Abendstimmung

Farbenpracht und Froehlichkeit am Strand

Natuerlich ging  es 3 Tage ganz ohne  Motorraeder auch nicht, und so heizten wir mit Leihmopeds am Strand entlang und quer ueber die Insel. Erstmals wurden wir auch mit korrupten Polizisten konfrontiert, die wir aber – nach einmaliger Bezahlung – bei weiteren Kontrollen mit Dummstellen und Verlust unserer Englischkenntnisse abwimmeln konnten.

Dummheiten...

...die wir natuerlich auf unseren eigenen Bikes nie wagen wuerden;-) auch der Leihhelm war vom Feinsten, wie man sieht!

Nach diesen erholsamen Tagen gings wieder quer durch Tansania, vorbei an Zebras, Giraffen und Nilpferden nach Malawi. Unsere Erwartungen an Malawi waren eigentlich sehr gering, umso erfreuter waren wir ob der traumhaften Berge, freundlichen Menschen (mit eigenwilligen Snacks) und komfortablen Campingplaetze. Erneut enttschlossen wir uns gegen die Route am See und bogen ins Hochland ab, wo uns (endlich wieder mal) Offroad-Piste daran erinnerte, dass wir immernoch in Afrika sind. Letzte Nacht zelteten wir dann bei einer noblen Lodge und der ausgezeichnete Suedafrikanische Rotwein (der erste ‘richtige’ Wein seit Ewigkeiten) erinnerte uns daran, dass wir unserem Ziel schon sehr nahe sind.

Schmackhafter Snack unterwegs - Fledermaus vom Spiess

Schmackhafter Snack unterwegs - Fledermaus vom Spiess

Nachdem wir einen kurzen Zwischenstopp in Malawis reichlich unspektakulaerer Hauptstadt eingelegt hatten, gings weiter zur Grenze nach Sambia. Leider hatten die malawischen Zoellner etwas gegen unsere Ausreise, weil unser Visum angeblich abgelaufen war (weder die Botschaft in Berlin noch die Zoellner bei der Einreise hatten ein Problem damit, dass wir das Visum schon im Februar beantragt hatten aber eben erst im Juli  einreisten). Schnell wurde klar, auf was der Zoellner hinaus wollte: er machte unmissverstaendliche Andeutungen (‘we can solve this problem, you know the solution…’) und er bat uns in sein Wachzimmer, um ‘Klartext’ zu reden, will heissen, Schmiergeld zu bezahlen. Darauf hatten wir aber ueberhaupt keine Lust und gerade als er mit seiner Klartext-Rede anfangen wollte, packten wir unsererseits gute Argumente aus: Wir erzaehlten von unserer Reise und unserem Blog, der damit verbundenen Publicity, von unzaehligen (natuerlich frei erfundenen) Zeitungsinterviews und Fernsehauftritten und wie schade es doch waere, wenn wir dort immer von den Problemen mit malawischen Zoellnern zu berichten haetten… 5 Minuten spaeter waren wir in Sambia, ohne Schmiergeld, versteht sich;-)

In Sambia konnten wir uns gleich wieder von der grossen afrikanischen Hilfbereitschaft ueberzeugen: Mitten in der Pampa war meine Kette, die seit einiger Zeit schon Probleme macht, herausgesprungen. Wir hatten noch nicht mal unser Werkzeug ausgepackt, da standen schon 10 Locals um mein Motorrad und begannen zu debattieren und zu schrauben. 10 min spaeter war das Problem geloest und wir konnten weiterfahren, leider durch eher langweilige Landschaft und bei Regen (der erste richtige Regen seit Italien wohlgemerkt!)

Boxenstopp in Sambia

In Lusaka werden wir jetzt doch meine Kette austauschen und da die Stadt ausser haufenweise Expats und Shoppingcentern nichts zu bieten hat, werden wir den Abend richtig westlich mit Fastfood und Kino verbringen. Morgen gehts dann zu den Victoria Falls und dann weiter nach Botswana. Wir freuen uns auf den letzten Monat unserer Reise,

liebe Gruesse,

Clemens & Elias

Verfasst von: milchpilzkapstadt | Juli 18, 2010

Nachtrag Aethiopien – nochmals herzlichen Dank fuer die Spenden!

Wie geplant konnten wir in Addis Abeba das Projekt “Protection, Respect and Oportunity for Children on the Street (PROCS)”, fuer das ihr alle so grosszuegig gespendet habt, besuchen. Zwar konnte uns die Leiterin Ananas aufgrund einer Auslandsreise nicht persoenlich empfangen, dennoch konnten wir uns von den aktuellen Entwicklungen ein Bild machen und vor Ort von den beachtlichen 7,500 EUR Spendensumme berichten.

Waehrend unserer Zeit in Aethiopien wurden uns die Herausforderungen guter Entwicklungsarbeit und die Qualitaeten dieses Projektes noch einmal bewusst. Denn wer durch Aethiopien faehrt, bekommt schnell den Eindruck, auf einer gewaltigen Weltausstellung der Entwicklungshilfeorganisationen zu sein: Die Ortseinfahrten sind zugepflastert mit den Schildern westlicher Organisationen wie World Vision, Oxfam, Care und vieler anderer. Auf jedem halbwegs neuen Haus befindet sich ein Taefelchen mit dem Emblaim der edlen Spender oder einer europaeischen, amerikanischen oder chinesischen Flagge.

Es scheint an vielem zu mangeln in diesem Land, nur nicht an Entwicklungshilfe. Trotz der grossen Anstrengungen scheint jedoch wenig voranzugehen. Bei unseren Gespraechen mit Menschen auf dem Land und in Addis war wenig Hoffnung oder gar Aufbruchsstimmung erkennbar. Stattdessen beginnen die meisten Begegnung mit Auslaendern mit den Saetzen “Give me money”, nachdem ueber Jahrzehnte alle Weissen als Geldgeber oder Spender aufgetreten sind. Man darf also zurecht fragen, ob noch mehr Spenden und Entwicklungszusammenarbeit ueberhaupt sinnvoll sind – und ob es denn etwas bewirken kann.

Zu oft bedeutet schliesslich Hilfe besser zu wissen, was andere brauchen und ihnen gleichzeitig nicht zuzutrauen, es selbst zu erreichen. Wir durften jedoch erfahren, wie PROCS den Kindern zutraut, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Wie die Kinder mit der Unterstuetzung des Projektes lernen, dass primaer sie selbst ihre Zukunft gestalten koennen – und dass sie nicht ewig auf grosszuegige „Geber“ vertrauen sollen. So wird ihnen zum Beispiel vom Projekt nichts geschenkt, sondern immer ein kleiner Selbstbehalt fuer Kleidung oder Buecher gefordert. Noch immer eine Seltenheit in Projekten, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die Kinder lernen so, selbst ihr Potential zu entfalten und koennen als Jugendliche stolz auf ihren Erfolg zurueckblicken. So hanegt im Buero von PROCS ein Poster mit den Abgaengern des Projekts, die an der Universitaet studiert haben, mit der stolzen Ueberschrift: We are now self-reliant!

Auf die Frage nach dem Sinn solcher Projekte haben wir damit unsere Antwort gefunden und freuen uns, dass den Kindern bei PROCS so viel zugetraut wird. Und dass Ihr alle dieses Vertrauen ueber eure Spenden teilt. Bis zum Ende unserer Reise (und natuerlich darueber hinaus!) kann noch gespendet werden. Fuer die Unterstuetzung bis heute nochmals vielen, vielen Dank!

Elias und Clemens

Verfasst von: cle1860 | Juli 11, 2010

Uganda, Ruanda und – man lese und staune – Kongo

Wir haben Kenia schweren Herzens und mit der tiefen Ueberzeugung verlassen, dass das dort Erlebte nicht mehr zu toppen ist. Umso erfreuter sind wir nun, von neuen Highlights berichten zu koennen.

Nach den spektakulaeren Tagen beim Masai Mara Nationalpark fuhren wir von Kisumi am Victoria Lake nach Uganda. Uganda praesentierte sich auf den ersten Blick landschaftlich aehnlich wie Ost-Kenia: gruene Huegel, endlose Teeplantagen und gute Strassen. Nach einer Nacht in Jinja am Ursprung des Nils (den wir so nebenbei bemerkt jetzt von der Muendung bis zum Ursprung begleitet haben) fuhren wir weiter in die Hauptstadt Kampala, wo wir das quirlige und dennoch stressfreie Stadtleben, gutes Essen und vorarlberger Gastfreundschaft samt einem Schluck Heimat (Feldkircher Schnapps!) geniessen durften. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Kathi, die uns neben der Logie auch viele Insights ueber das Leben in Uganda liefern konnte.

Der ueberfuellte Busbahnhof in Kampala

Ugandas Strassenverkaeufer mit Modekompetenz:-)

 

Von Kampala gings Richtung Westen weiter nach Fort Port, und gerade, als uns das Land schon ein bisschen zu „brav“ und unspektakuaer schien, erlebten wir auf sandigen Offroad-Pisten, vorbei an Bananenstauden und durch winzige Doerfer doch noch das interessante, laendliche Uganda mit seinen durchwegs freundlichen Menschen. Unglaublich, wieviel Begeisterung wir erfuhren fuer unsere Tour und speziell unsere Motorraeder und wieviele freundliche Gesten und „Daumen hoch“ wir beim Vorbeifahren bekamen. Das macht jeden Stopp und jede Dorfdurchfahrt zur wahren Freude und fuehrt uns vor Augen, was wir eigentlich gerade Geniales erleben duerfen…

Schwertransport in Ruanda

und noch ein Schwertransport...

Zufrieden gings am naechsten Tag weiter zur ruandischen Grenze, wo sich Uganda anfangs nochmals von seiner schoensten Seite zeigte (auch hier waren die Chinesen schon aktiv und bereiten uns eine Stunde geniales Motorradfahren auf asphaltierten Bergstrassen mit langen Kurven und Serpentinen). Die letzten 30km der Strecke waren allerdings noch nicht ganz fertig, was uns wieder einmal heftigste Schotterpisten und Staub ohne Ende beschehrte. Erleichtert, endlich die Grenze erreicht zu haben, irritierte uns dann das Grenzschild „Welcome to Zaire“. Irgendwie hatten wir wohl doch die Abzweigung verpasst und waren an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo gelandet! War aber nicht weiter schlimmt, einfach Umdrehen und nach weiteren 30km ueber staubige Feldwege fanden wir letztendlich doch den Weg nach Ruanda.

Ruanda hat ungefaehr die Flaeche Tirols und 10 Mio Einwohner, dementsprechend ueberfuellt sind die Strassen. Natuerlich nicht mit Autos, sondern mit Tausenden Fussgaengern! Wir mussten uns erstmal wieder an so viele Menschen und an den Rechtsverkehr gewoehnen, konnten uns aber erfreut davon ueberzeugen, dass Ruanda voellig zurecht das Land der Tausend Huegel genannt wird: Wieder mal tolle Strassen und Kurven, Kurven, Kurven!

Fellow Biker=)

Bevor wir nun in die Hauptstadt Kigali fuhren, goennten wir uns noch ein ganz besonderes Highlight. Am Lake Kivu gibt es den Vulkan Nyiragongo, der zuletzt 2002 ausgebrochen ist und die Stadt Goma in ein afrikanisches Pompeij verwandelte. Im Moment ist die Gefahr eines Ausbruchs sehr gering, er ist aber weiterhin aktiv und spuckt Lava. Leider befindet sich der Vulkan auf der kongolesischen Seite des Sees, was uns zwar kurz ob der Sicherheitslage im Kongo zoegern liess, uns aber von unserem Unterfangen nicht abbringen konnte. So gings ueber die Grenze in den Kongo und dann mit 2 bewaffneten Rangern auf zur Wanderung, die es dann auch in sich hatten: 2000 Hoehenmeter Aufstieg auf 3470m, nach 5 Stunden hatten wir erschoepft den Krater erreicht und es bot sich ein unglaubliches Schauspiel: Vor uns ca. 300m grosser Lavasee, der rauchte, spuckte, brodelte und uns fesselte! Schon beinahe traditionellerweise waren wir die einzigen Touristen auf dem gesamten Vulkan und verbrachten die eiskalte Nacht dann im Zelt direkt am Krater. Das Naturschauspiel war nachts dann noch um einiges spektakulaerer, einfach atemberaubend!!!

Am Krater

 

im Hintergrund brodelt die Lava...

 

Das Spektakel bei Nacht

Jetzt in Kigali angekommen erfreuen wir uns der Gastfreundschaft von Elias’ Freund Micha aus Oldenburg (vielen Dank!) und versuchen, die tollen Erlebnisse der letzten 2 Wochen zu verarbeiten. Morgen wird dann auch der (hoffentlich letzte) Satz neuer Reifen unserer Reise aufgezogen und nach einem Besuch der wohl bewegenden Gedenkstaetten des Genozids von 1994 gehts weiter nach Tansania und nach Sansibar, wo wir uns einige Tage Erholung am Strand goennen werden.

Bis dahin nur das Beste fuer Euch alle und liebe Gruesse,

Clemens & Elias

Verfasst von: milchpilzkapstadt | Juli 3, 2010

Correction: THIS is Africa

Bei ueber 50 Laendern auf diesem Kontinent vom einen oder sogar vom “wahren” Afrika zu sprechen waere natuerlich vermessen. Aber wenn es ein Land gaebe, das saemtliche Bilder von Afrika perfekt vereint, dann wuerde es wohl in etwa so aussehen wie Kenia: Wilde Tiere, Wueste und tropische Waelder, faszinierende Kulturen, bunte Farben und nette Begegnungen an jeder Ecke.

Leider entsprechen auch die Horrorgeschichten den typtischen Bildern Afrilas und so machten wir uns auf das schlimmste gefasst. Wer aus Aethiopien nach Kenia reist muss zwangslaeufig ueber die wenig einladende “Road to Hell”, auch “Bandit Highway” genannt. Bereits in der Vorbereitung hatten wir dementsprechend grossen Respekt vor diesem Abschnitt. Es soll immer wieder zu Ueberfaellen kommen, weite Teile der Strecke waeren nur mit bewaffnetem Konvoi zu bewaeltigen und Reiseberichte erzaehlten von kaputten Stossdaempfern, platten Reifen und gebrochenen Rahmen. Vor zwei Wochen sind zwei Polen, die wir bereits in Aegypten getroffen hatten, auf dieser Strecke verunglueckt und mussten ihr Afrika-Abenteuer abbrechen.

Und tatsaechlich uebertraf die Strasse fast alles was wir bis dahin erlebt hatten: Geroell aus spitzen, fussballgrossen Gesteinsbrocken, mit Spurrillen bis zum Knie, dann wieder feiner Sand, und zwischendurch metertiefe Schlagloecher. Zeitweise ist schwer zu glauben, dass es sich bei dieser Piste wirklich um eine Strasse handelt. Eher hatten wir den Eindruck, dass jemand die „Strasse“ extra gebaut hat, um ein Vorankommen per Auto oder Motorrad zu verhindern. Anstrengend war’s, nach 8h Vibrationen und Staub schafften wir es aber am ersten Tag nach Marsabit, wo wir in einem Hotel die mueden Knochen entspannen konnten und (wie immer seit wir so viel offroad fahren) um 21:00 einschliefen.

Elias nach einem Sturz in perfekter Sandtarnung

Elias nach einem Sturz in perfekter Sandtarnung

Am naechsten Morgen waren wir natuerlich wieder auf das schlimmste gefasst, und umso ueberraschter, auf diesem Abschnitt einen herzlichen Empfang zu erfahren. Zufaellig trafen wir unterwegs Harry aus Deutschland, der in einem kleinen Dorf an der Strecke lebt. Wir kamen ins Gespraech und er lud uns prompt zu sich ein. Dankbar um eine kurze Tagesetappe machten wir es uns dort bequem und konnten in der Folge zwei Naechte bei Samburus in einer Huette uebernachten. Ein riesen Glueck, denn so konnten wir das traditionelle Leben dieses faszinierenden Stammes kennen lernen. Wir genossen die Gastfreundschaft und staunten vor allem ueber die Hochzeitszeremonie: Dabei tanzen voll geschmueckte Moran (Krieger), klatschen und huepfen, bis zur Erschoepfung. Einige erfahren dabei sonderbare Anfaelle, zucken und zappeln und sind dann erstmal einige Minuten weggetreten.

Die Krieger nach dem Tanz

Die Krieger nach dem Tanz

Nach so vielen neuen Eindruecken beschlossen wir am Abend zur Feier des Tages ein Schaf zu schlachten, um noch ein wuerdiges Abschiedsessen zu zelebrieren. Auch das war eine “interessante” Erfahrung, so ein Tier von der Weide bis zum Kochtopf zu begleiten, es zu schlachten und auszunehmen. (Alle, die jetzt aufschreien, aber selbst schon Fleisch gegessen haben, moegen sich daran erinnern, dass Kuehe bei uns auch nicht vakuumiert auf die Welt kommen. Und dem Tier duerfte es egal sein, ob sein Henker es selbst verspeist oder nicht.)

Abendessen ist fertig

Abendessen ist fertig

Nach so vielen Eindruecken machten wir uns auf richtung Sueden, vorbei am Mt. Kenya, in den Marsai Mara National Park. Wir freuten uns auf ein paar Tiere und hofften, mit ein wenig Glueck die eine oder andere Giraffe oder vielleicht einen Elefanten zu sehen. Und auch hier sollten unsere Erwartungen uebertroffen werden: Aus einer Giraffe wurde ein Dutzend, dazu mehrere Elefantenfamilien, unzaehlige Gnus, Bueffel und Zebras, Leoparden, Geparden, Hyaenen, Nilpferde, Krokodile, Gazellen, Geier, Wildschweine, Affen – und ein Loewenpaar beim Liebesakt.

Begegnung im Busch

Begegnung im Busch

Gluekcklicherweise ist die Migration der Wildtiere aus Tansania bereits voll im Gange und so konnten wir am Fluss sitzen und staunen, wie eine riesige Herde Zebras und Gnus einen Fluss ueberquerten. Waehrend wir unser Thunfischsandwich verspeisten schnappten links und rechts Krokodile nach den Jungtieren =).

Eine Million Tiere wandern von Tansania nach Kenia - und alle  durch diesen Fluss

Eine Million Tiere wandern von Tansania nach Kenia - und alle durch diesen Fluss

Nachdem wir also das gesamte Dschungelbuch an einem Tag Safari sehen durften sind wir weiter zum Viktoriasee gefahren und goennen uns und den Motorraedern hier eine kleine Pause. Dank der vielen offroad-Passagen und einer neuen Umfallstatistik von 15 (Elias) zu 9 (Cle) gibt es doch die eine oder andere Schraube anzuziehen…

Verfasst von: cle1860 | Juni 22, 2010

Sudan und Aethiopien, 2 sehr unterschiedliche Laender

Hallo,

so, wir haben 2 sehr intensive Wochen im Sudan und Aethiopien verbracht und es ist wieder mal Zeit, euch daran teilhaben zu lassen.

Endlich!!!

Nach der zehntaegigen Zwangspause in Aswan waren wir wieder so richtig heiss aufs Motorradfahren. Wir hatten im Vorfeld viele Horrorgeschichten ueber die Strassen im Sudan gelesen, umso ueberraschter waren wir, als wir auf perfektem Asphalt durch die Steinwueste brettern konnten. Da es aber ausser viel Wueste und 1, 2 Pyramiden (auch hier gilt: seen one, seen all) nicht viel zu sehen gibt und die Hitze auf unertraegliche 50 Grad anstieg, fuhren wir auf schnellstem Weg nach Khartum (730 km an einem Tag, neuer Rekord!).

Vor den sudanesischen Pyramiden

Die Stadt bietet eher wenig und unser Eindruck vom Sudan wurde zusehens getruebt, da es einfach zu heiss war und uns die Wueste schoen langsam zum Hals raus hing (ausserdem habe ich mir bei einer Freiluftuebernachtung in Wadi Halfa eine Erkaeltung zugezogen, 39 Grad Fieber machen unterm Helm noch weniger Spass…) Zum Glueck bot sich aber noch die Moeglichkeit, die waren Schaetze des Sudan, naemlich die freundlichen und herzlichen Menschen, kennenzulernen. So verbrachten wir unsere letzte Nacht bei nubischen Bauern in ihren Strohhuetten. Die 3  Bauern waren hellauf begeistert von unserem Zelt, unsere Camping-Spaghetti konnten sie aber nicht wirklich ueberzeugen (ihre Brotpaste mit Fischmaegen uns aber auch nicht…)

Froh um diese tolle Erfahrung fuhren wir am naechsten Tag nach Aethiopien und tauchten schlagartig in eine andere Welt ein: Wueste und Einoede im Sudan wurden von gruenen Bergen, satten Wiesen, KURVIGEN Strassen und angenehmen Temperaturen abgeloest. Die Strassen waren (vorerst) auch auf aethiopischer Seite in einem guten Zustand und ueberhaeuft von winkenden Kindern, Kuehen, Ziegen, wilden Affen und Fuhrwerken. So wurde die Fahrt zum Hindernislauf und wir fuehlten uns wie bei einem endlosen Almabtrieb;-)

Typischer Gegenverkehr in Aethiopien

Voller Euphorie ueber das fast schon vergessene Fahrgefuehl machten wir uns am naechsten Tag auf den Weg Richtung Norden, wo wir neben der atemberaubenden Landschaft auch die negativen Seiten des Landes kennenlernen durften. Aus den winkenden wurden schreiende (YOU! MONEY!) und Steine-werfende Kinder (so ein Volltreffer auf den Helm versetzt einem doch einen ziemlichen Schock!) und aus den perfekten Passstrassen wurden endlose, steinige und schlammige Offroad-Pisten, die uns und unseren Motorraedern einiges abverlangten. Zusaetzlich waren wir beide gezeichnet vom aethiopischen Essen, Durchfall und Magenkraempfe beschehrten uns verdauungstechnische Grenzerfahrungen…  Immerhin hielten unsere Reifen (Enduro-Schlaeuche vulgo Elefantenhaut sei Dank!) und auch die Bikes ueberlebten den ein oder anderen Sturz relativ unbeschadet (neuer Umfaller-Zwischenstand: Eli 9, Cle 7), was bei dem Strassenzustand fast an ein Wunder grenzte.

Fix und fertig, dreckig und staubig erreichten wir die nordaethiopische Stadt Axum, wo wir uns einen Tag Rast goennten um Elis Koffer schweissen zu lassen, der aufgrund der starken Vibrationen waehrend der Fahrt einfach abgefallen ist…

Ungesunder Taint - dreckrot

Elis Koffer wird repariert

Endlich kam neben dem leiblichen Wohlbefinden auch die Freude ueber die Schoenheiten des Landes zurueck und da auch die Strassen wieder merklich besser wurden (chinesische Baufirmen scheinen ganz Afrika im Rekordtempo zu asphaltieren), konnten wir traumhafte Passstrassen bei Null Verkehr geniessen. Damit uns nicht langweilig wurde, wurden aber auch hier immer wieder kurze Sand- und Schotterpruefungen eingestreut, was aber mit zunehmender Routine und abnehmenden Magenproblemen immer spassiger wurde!

Traumhafte Landschaft

Nach laut GPS 9000 Hoehenmetern auf 1000 km Fahrtstrecke durch die Berge (hoechster Punkt 3400m) erreichten wir Lalibella, die Stadt mit eindrucksvoll in die Felsen geschlagenen Kirchen. Die Besichtigung der 11 Kirchen war spektakulaer, fuer Eli aber nichts neues und da die „seen one, seen all“ Regel auch fuer Kirchen gilt, fuhren wir bereits am naechsten Tag weiter Richtung Addis Ababa. Auf dem Weg dorthin mussten wir noch in der wohl schmutzigsten (Smog!) und ekligsten Stadt der Welt eine Uebernachtung einschieben, da natuerlich wiedermal Stromausfall war und wir keinen Benzin mehr bekamen.  Immerhin putzten 2 Kinder unsere Bikes mit 5 Liter Wasser um 60 Cent, waehrend wir in der Dunkelheit wieder mal die sichere Variante Spaghetti dem einheimischen Essen vorzogen.

Eli beim "Betreten" eines Klosters, das nur ueber ein Seil zu erklettern ist...

1 der 11 Kirchen von Lalibella

Jetzt sind wir in Addis Ababa angekommen und geniessen einen motorradfreien Tag. Morgen werden wir das Sozialprojekt PROCS besuchen und dort von den Spendenerfolgen berichtigen.

Insgesamt habt IHR 7,500 Eur gespendet, wir sind begeistert! Vielen herzlichen Dank dafuer!

Verfasst von: cle1860 | Juni 12, 2010

How to get from Egypt to Sudan

So,

da wir jetzt ja genug Zeit haben (das Nubische Museum in Aswan ist zwar nett, sonst gibts hier aber nicht soo viel zu sehen… und bei 45 Grad macht das Flanieren auch wenig Spass…), wollen wir euch an den buerokratischen Huerden und den unverstaendlichen Formalitaeten teilhaben lassen, damit ihr mal seht, wie einfach und unbuerokratisch Europa mittlerweile funktioniert:

Also, die Faehre zwischen den beiden Nachbarlaendern faehrt 1mal pro Woche, die Ueberfahrt dauert ca. 20h.

1. Schritt: 2 Wochen vor Reisetermin finden wir in  Internet-Reiseforen die Telefonnr. des „Fixers“ Mahmud in Aswan, der englisch spricht und die Tickets fuer die Faehre im Vorhinein gegen Trinkgeld besorgen kann. Er wird angerufen und verspricht die Tickets.

2. Wir senden ihm unsere Passkopien 1 Woche vor der geplanten Ueberfahrt.

3. Wir treffen Mahmud am Fr.  vor der Ueberfahrt, er hat die Tickets „sicher“.

4. Wir gehen am Sa. zum offiziellen Ticket-Office und warten auf Mister Sala, den Einzigen in der „Nile Transportation Company“, der Tickets verkauft. Ihm hat Mahmud auch die Passkopien geschickt. Wir bekommen die Tickets NICHT („ferry is full“), das beste, was uns der Herr anbieten kann, ist ein Wartelistenplatz fuer naechste Woche . Natuerlich koennen wir die Tickets fuer naechste Woche nicht direkt kaufen, „come back on Tuesday, 8 a.m.“

5. Am Dienstag stehen wir zusammen mit 200 schlechtgelaunten Enheimischen vor dem Ticket-Office, es wird geschrien, gestikuliert und geschlaegert, Tickets scheint aber niemand zu bekommen. Wir warten bis 14 Uhr und werden von einem ob des Chaos den Traenen nahen Mister Sala auf Donnerstag vertroestet.

6. Wir nutzen die Zeit und erledigen Formalitaeten. Wir muessen „bestaetigen“ lassen, dass wir in Aegypten in keinen Unfall verwickelt waren. Dies geschieht in „irgendeinem Haus im zweiten Stock hinter einem Zeitungsverkaeufer“ (Anfahrtsweg wieder ueber Internet). Wir zahlen 20 Cent, bekommen einen Zettel und fahren damit zur traffic police.

7. Angekommen bei der traffic police geben wir unsere aegyptischen Nummerntafeln ab und warten wieder auf irgendeinen Zettel, waehrend unsere Motorradstaender aufgrund der unglaublichen Hitze im weichen Asphalt einsinken!

8. Ausgeruestet mit den Papieren gehen wir am Donnerstag zum Ticket Office und bekommen tatsaechlich unsere Tickets!!! Aber natuerlich nur unsere, nicht die fuer unsere Motorraeder. Die werden auf einem separaten Transport-Kutter transportiert. Die Tickets dafuer bekommen wir am Samstag…

9. Am Samstag sind wir puenktlich beim Ticket-Office, wo uns ein gut gelaunter Mister Sala – wie koennte es anders sein – auf Sonntag vertroestet… dann aber natuerlich „garantiert!“ Immerhin nutzen wir unsere Ortskenntnisse von Punkt 6 und 7, um 2 netten Schweizern, die ebenfalls in den Sudan wollen (und die uns mit den Worten: „Sind ihr mim Toeff do“ begruesst haben:-)), den Behoerdengang zu erleichtern. Wir sind somit nach 8 Tagen Aswan selbst zum „local fixer“ geworden;-)

10.  Nachtrag zu Punkt 9: Wir werden am Samstag Mittag aus dem Hotelzimmer gelaeutet, vor der Tuer steht ein Mitarbeiter von Mister Sala zusammen mit dem einem der beiden Schweizer: Sie klappern alle Hotels ab (der Schweizer fungiert als Chauffeur, hat ja sonst auch wenig zu tun in Aswan), weil sie nun doch noch eine Passkopie von uns brauchen! (warum sie nicht die 2 Kopien, die sie schon haben, einfach nochmals kopieren???)

11. Am Sonntag fahren wir zum Hafen und nach 4h Buerokratie (Stempel hier, Gepaeckkontrolle da) laden wir die Bikes auf den Transport-Kutter, der schon mit 7 Touristen-Jeeps gefuellt ist. Der (einaeugige) Kaept’n verspricht uns nach der obligatorischen Frage nach Bagshish, dass er gleich ablegen wird und spaetestens am Dienstag Mittag (also noch vor uns!) im Sudan eintrifft.

12. Am Montag machen wir uns auf zur Faehre. Die Zollformalitaeten sind rasch erledigt und das bizarre Schauspiel auf der Faehre kann beginnen. Hunderte Leute versuchen, ueber den einen Zugang Fernseher, Tomaten, Tische, Stuehle, etc. an Deck zu ‘schmuggeln’. Dabei stellen sie sich recht geschickt an, werfen die Waren einfach an der Seite an Bord oder lenken den Security-Mann ab, der sich nur mit Schlaegen und Geschrei wehren kann. Mit 4h Verspaetung legt die Faehre ab, wir schwitzen an Deck und sehen beim Auslaufen unseren Transport-Kutter, der natuerlich noch im Hafen liegt!! Die Nacht verbringen wir an Deck am Boden, ab und zu trampeln Leute im Dunkeln auf uns herum oder leeren ihren heissen Tee auf uns, ansonsten ists aber recht gemuetlich und der Sternenhimmel atemberaubend.

13. An Bord koennen wir die Zollformalitaeten erledigen, da unsere Namen nicht auf irgendeiner Liste stehen, muessen wir 2h auf den Kaept’n warten, bis wir unsere Paesse zurueckbekommen. Den obligatorischen Ohren-Check durch den Zoellner koennen wir umgehen. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes kann die Faehre nicht sofort in Wadi Halfa anlegen, sondern muss an einen Ersatzsteg, was uns nochmals gut 4h kostet. Nach 30h legen wir endlich an, und wieder spielen sich chaotische Szenen ab.

14. Wir habens geschafft und betreten am Dienstag um 18.00 Uhr sudanesischen Boden! Unsere Motorraeder sind natuerlich noch nicht da, aber sie kommen morgen, garantiert….

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